Historie der Sektion Mönchengladbach

10.05.2024

Unsere Alpenvereinssektion wurde im Jahre 1922 gegründet, der Name: "Deutscher und Österreichischer Alpenverein, Sektion M.Gladbach". Die beiden Alpenvereine waren im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte mehrfach vereinigt und wieder getrennt; in der Regel haben dabei politische Erwägungen eine Rolle gespielt.

Mönchengladbach, damals M.Gladbach, war nach dem 1. Weltkrieg eine aufstrebende Stadt und hatte bis 1924 seine Einwohnerzahl durch Eingemeindungen auf ca. 116.000 gegenüber der Vorkriegszeit fast verdoppelt (ohne Rheydt, das damals noch selbstständige Stadt war).

Das war das Umfeld, in dem die Sektion gegründet wurde, spät, denn die meisten Alpenvereinssektionen gab es schon vor dem 1. Weltkrieg.

Es waren durchaus schwere Zeiten. Die Jahre der großen Inflation begannen. Der Mitgliedsbeitrag der jungen Sektion betrug 100 RM im Jahr 1922 und 1923 bereits 4.350 RM. Es gehörte also eine ganze Portion Idealismus dazu, einen Verein aus der Taufe zu heben, der sich den Alpen widmete. Die waren damals für die meisten Leute ganz weit weg.
Über die Anfangszeit der Sektion ist wenig bekannt. Fast alle Unterlagen sind 1945 den Feuerstürmen des Bombenkrieges zum Opfer gefallen. Zwölf Gründer soll es 1922 gegeben haben. Das Vereinsregister zählt 5 Vorstandsmitglieder auf, mit Dr. Blum als Vorsitzendem. Als letztes der Gründungsmitglieder verstarb Heinz Wenzel 1991 (Notiz im Mitteilungsblatt Nr. 47). Im Laufe der 1920er und 1930er Jahre führt das Vereinsregister verschiedene Änderungen an Vorstand und Satzung auf, wie sie auch heute im Vereinsleben üblich sind.

Frühe Aktivitäten

Über die Aktivitäten der Vereinsmitglieder in der Frühzeit der Sektion wissen wir nichts. Die wurden ihnen auch nicht immer leicht gemacht. Österreich war Ausland, man brauchte nicht nur Devisen, Reisende dorthin waren zwischen 1933 und 1936 mit einer Gebühr von 1.000 RM belegt. Das war eine politisch motivierte Sanktion, die den österreichischen Tourismus treffen sollte und auch traf. Wir können diesen Einbruch beim Studium des alten Hüttenbuches unseres Kalser Tauernhauses deutlich erkennen. Trotzdem wissen wir, dass unser späterer Vorsitzender (1948 - 1957) Peter Ameln auf seiner Hochzeitsreise 1935 mit seiner Frau Hildegard den Großglockner bestieg.

Schon früh gab es in der Sektion den Wunsch, eine eigene Hütte in den Alpen zu bauen. Einige Mitglieder waren bereits 1936 und 1937 im Ötztal unterwegs, um nach einem Hüttenbauplatz Ausschau zu halten. Der Krieg stoppte das Projekt dann, bis die Sektion nach einigen Fehlschlägen 1962 doch noch zu ihrer Hütte kam, dem Kalser Tauernhaus.

In den 1950-er und 1960-er Jahren entwickelte die "Sektion M. Gladbach-Rheydt", - so nannte sie sich inzwischen angesichts der vielen Mitglieder aus Rheydt, - ein reges Vereinsleben. Sie hatte einige hundert Mitglieder, ein umfangreiches Wander- und Vortragsprogramm, und es wurden auch mehrtägige Touren in die Mittelgebirgshütten und in die Alpen organisiert. Heinz Hartges baute in Korschenbroich eine Jugendgruppe auf. Die Lichtbildvorträge mit z.T. klangvollen Namen waren vor der Zeit der elektronischen Medien sehr attraktiv und füllten regelmäßig die Aula des Humanistischen
Gymnasiums. Die Referenten reisten hierzu ohne viel Technik mit einer Aktentasche voll Dias an. Auch die Bilderserien bei den regel-
mäßigen Mitgliedertreffen zogen die Besucher an.

Die regelmäßigen Wanderungen nutzen fast immer Bus und Bahn, denn nur wenige Leute hatten ein Auto. Häufig kehrte man mittags in einer Dorfkneipe ein, nicht um großartig zu speisen, viel mehr bestellte man ein Bier und packte die Butterbrote aus. Dabei traf man oft auf die Einheimi schen, die vom Frühschoppen übrig geblieben waren. Die Wanderer in Bundhosen wurden am Niederrhein, vor rund 60 Jahren, anders als heute, als leicht spinnerte Exoten betrachtet.

Es gab auch einige Wintertouren, die überregional ausgeschrieben wurden, so 1962 nach Kals und 1965 nach Lech am Arlberg. Zu der Zeit wurde auch eine Gruppe für Skigymnastik gegründet, die heute noch als Turngruppe fortbesteht. Die Idee dazu hatten wir beim Skiclub abgeguckt.

Das Kalser Tauernhaus

Mit dem Erwerb des Tauernhauses 1962 begann eine neue Ära für die Sektion. Im Juni 1963 übernahmen wir das Haus mit einer zünftigen Feier. Dann begann die Arbeit, die für viele Jahre alle Kräfte der Sektion in Anspruch nehmen sollte. Der Kaufpreis vom 420.000 ÖS, ca. 70.000 DM, war durch Spenden, Darlehen und eine Hüttenumlage von 50 DM pro A-Mitglied aufgebracht worden. In den folgenden Jahren waren aber noch erhebliche Aufwendungen für Sanierung, Ausstattung und behördliche Auflagen notwendig. Dazu musste die Sektion lernen, dass die Verwaltung einer solchen Hütte über fast 1000 km Entfernung durchaus ihre Tücken hat. In den 1970er Jahren kam noch die Bedrohung durch einen geplanten Stausee hinzu.

Der Zustand des Hauses heute, mit E-Werk, Kläranlage, Sanitäreinrichtungen und moderner Küche ist natürlich mit dem Urzustand nicht mehr vergleichbar. Das gilt aber auch für die Erwartungen der heutigen Bergsteiger. Seit wir die Hütte besitzen, ist sie immer wieder Standort für Sektionsveranstaltungen gewesen. Trotz der großen Entfernung verbinden inzwischen Generationen von
Sektionsmitgliedern tolle Erinnerungen mit dem Kalser Tauernhaus und seiner schönen Umgebung.

Die Sektion wird größer

Nach dem Krieg hatte die Sektion lange Zeit nur einige hundert Mitglieder, 1970 waren es ca. 400. Danach wuchs sie kräftig. Im Jahre 1980 waren es ca. 700, 1995 schon 1400, und heute sind es ca. 2600 Sektionsmitglieder. Diese Entwicklung lag einerseits daran, dass Wandern, Klettern und alle Natursportarten in Mode kamen, andererseits sich auch bei uns das Spektrum der Aktivitäten erweiterte. Das wurde in dem seit 1977 herausgegebenen Mitteilungsblatt und später auf der Internetseite bekannt gemacht.

Zwar hatten die Mitglieder immer schon interessante Bergfahrten, sowie Kletter. und Skitouren unternommen, die Angebote seitens des Vereins mit ausgebildeten Fachübungsleitern wurden aber erst ab den 1970er Jahren systematisch aufgebaut. Das betraf die Alpine Ausbildung, Klettern, Angebote für Jugendliche und auch Kinder,
mit und ohne ihre Familien. Unsere Jugend- und Ausbildungsleiter sind bis heute dabei unser größtes Kapital. Sie ermöglichen ein Kletter- und Tourenprogramm in den Mittelgebirgen, in den Alpen
und z.T. sogar auf den Kanaren.

Es ist natürlich nicht möglich, hier alle Aspekte des Sektionslebens der letzten Jahrzehnte, geschweige denn der letzten 100 Jahre zu erfassen. Erinnert sei an gemeinsame Touren, die Seniorenfahrten für die älteren Mitglieder, die zahlreichen wissenschaftlich geprägten Botanischen Wochen im ganzen Alpengebiet, die Singgruppe, die schon bald 40 Jahre existiert und unsere Vortragsreihen. Es gab aber auch ein trauriges Ereignis, als Hermann Erkens 2015 bei einer von ihm selbst geleiteten Veranstaltung tödlich abstürzte. Das war der bisher einzige schwere Unfall bei einer Sektionsveranstaltung.

Während der Corona-Pandemie waren alle Unternehmungen beeinträchtigt und oft konnten erst nach der Pandemie die Planungen wieder aufgenommen werden. Das war besonders schade, da alles in der Sektion ehrenamtlich geschieht. Das hat sich in den 100 Jahren nämlich nicht geändert: Touren, Wanderungen, die gesamte Administration für 2600 Mitglieder und die Hüttenverwaltung, alles wird von Ehrenamtlern erledigt. Dieses Engagement und die gemeinsamen Ziele haben die Sektion Mönchengladbach 100 Jahre lang bestehen und wachsen lassen, und sie sichern ihr Fortbestehen auch weiterhin.