Alpenüberquerung Berchtesgaden - Lienz/Osttirol oder auch „eine Luftmatratze wurde zum Gewinner!“

11.08.2024

In diesem Jahr unternahm eine Gruppe unserer Sektion unter der Leitung von Christian Walbrunn eine mehrtägige Alpenüberquerung. Bewusst wurde nicht der Klassiker E5 von Oberstdorf nach Meran, der äußerst stark frequentiert und überlaufen ist und dabei auch übervolle Hütten beschert, sondern eine alternative Route zur Überquerung der Alpen gewählt, genauer gesagt vom Berchtesgadener Königssee nach Lienz in Osttirol. Das Ganze in 9 Tagesetappen.

Jetzt aber einmal der Reihe nach: Insgesamt bestand das Team aus 9 Personen, 8 Männern und Ulrike, die nebenbei für die Einhaltung der Frauenquote sorgte. Dabei lag das Alter zwischen 53 und 68 Jahren, im Schnitt stolze 60 Jahre und 3 Monate! Wie heißt es doch so schön: Alter schützt vor …. Ach, egal!

Die Anreise wurde individuell organisiert. Wobei Christian und Wolfgang eine PKW-Fahrgemeinschaft, Start in Gummersbach, nutzten. Die Anreise nach Gummersbach erfolgte, umweltbewusst, mit der DB. Doch damit auch die erste Panne, der Zug von MG nach Köln fiel aus! Mit der Regionalbahn ging es dann zunächst nach Düsseldorf Hbf. Hier die zweite Panne, die beiden stiegen, einem Herdentrieb folgend, zu früh in Düsseldorf Bilk aus! Also schnell in eine neue Bahn bis Düsseldorf Hbf und dort umsteigen nach Köln Deutz. Dort wurden die beiden dann von Dominique abgeholt und es ging nach Gummersbach. Nach einer Übernachtung starteten wir dann am frühen Morgen per PKW nach Berchtesgaden. Dort trafen wir uns dann auch mit vier weiteren Teilnehmern der Gruppe. Nach einer letzten Übernachtung ging es dann am Sonntag, 11.8.24 endlich los.

1. Etappe: 11.08.24 von St. Bartholomä zum Kärlingerhaus auf 1.638 m am Funtensee = Distanz 10,9 km, 1.076 hm Anstieg, 50 hm im Abstieg, Gehzeit 4:50 Std.

Um 7:00 Uhr wurde gefrühstückt, dann mit dem Bus nach Schönau (605 m über NN) und mit dem Boot im dichten Nebel, aber mit dem traditionellen Trompetensolo inkl. Echo über den Königssee, zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä.

Von dort bei strahlendem Sonnenschein über die Saugasse in knapp 5 Std. zum Kärlingerhaus. 

Hier trafen wir auch auf Dietmar, damit war unser 9er Team komplett. Ein kühles Bad im Funtensee war eine Wohltat. 

Die Hütte erwies sich als weniger positiv. Das Preis-Leistungsverhältnis passte an einigen Stellen einfach nicht. Das Bettenlager war äußerst spartanisch!  An diesem Abend wurden auch in Paris die Olympischen Spiele mit einer großen Abschlussfeier beendet.

Vorher wurde aber noch eine neue Disziplin ins Programm genommen, die “Schnarch” Olympiade! Austragungsort war das Kärlingerhaus, auch hier erwies sich Frankreich als äußerst heimstark! Unangefochten wurde unser Dominique, in Frankreich geboren, zum 1. Schnarch-Olympia-Sieger gekürt, weit abgeschlagen auf Platz 2 Hermann, dritter dann Andreas.

2. Etappe 12.08.24 vom Kärlingerhaus nach Maria Alm = Distanz 15,4 km, 583 hm im Anstieg, 1.460 hm im Abstieg, Gehzeit = 7:25 Std.

Der Tag erwies sich aufgrund der großen Hitze als sehr schweißtreibend. Zunächst ging es über das Steinerne Meer, ein verkarsteter Gebirgsstock mit ausgeprägten Hochflächenbildungen in den nördlichen Kalkalpen, zum Riemannhaus auf 2.177 m, dann folgte mit sehr vielen steilen Passagen der Abstieg nach Maria Alm auf 802 m, einer Gemeinde im österreichischen Bundesland Salzburg.

Der Abstieg dorthin war extrem anstrengend. Kaum zu glauben, dass es in jedem Jahr eine Fußwallfahrt von Maria Alm über das Riemannhaus und das Kärlingerhaus bis nach St. Bartholomä gibt und diese in der Nacht startet. Bei gutem Wetter nehmen daran 2.000 Teilnehmer teil! Allen kann man nur sehr viel Respekt zollen.

In Maria Alm übernachten wir im Hotel Edelweiss, es gab hier nur einen Zwischenfall, beim Abendessen gab es aufgrund eines starken Gewitters einen totalen Stromausfall. So kamen wir alle zu einem Candle Light Dinner!

3. Etappe 13.08.24 von Maria Alm nach Bruck an der Großglocknerstraße = Distanz 17,2 km, 1.213 hm im Anstieg, 1.251 hm im Abstieg, Gehzeit 7:30 Std.

Hier mussten wir leider zwei Wochen vor Beginn unserer Tour eine Änderung vornehmen! Ursprünglich war eine Übernachtung auf der Griesbachalm geplant, die Hüttenwirtin hatte uns die Übernachtung aus gesundheitlichen Gründen dann aber kurzfristig abgesagt.

Um 8:10 Uhr ging es los, die ersten beiden Stunden war es noch bewölkt, dies war nach dem Hitze-Marathon am Vortag eine Wohltat. Nach dem Gipfelkreuz Schwalbenwand brach bei Dietmar ein Teleskopstock, eine Reparatur war nicht mehr möglich. Nach 17,2 km erreichten wir dann endlich Thumersbach (Zell am See).

Auf Grund des drohenden Gewitters beschlossen wir spontan, die letzten 6 km mit dem Bus zu bewältigen, wir hätten ansonsten die ganze Strecke entlang der Straße gehen müssen. Nach 5 Minuten kam unser Bus, was für ein tolles Timing! In Zell am See mussten wir umsteigen und wir fuhren dann nach Bruck. Dort übernachteten wir im Haus Maria. Als Belohnung für den langen Tag erwies sich dann der Gasthof Zacherl-Bräu, hier gab es eine hervorragende regionale Küche und einen super Service.

4. Etappe 14.08.24 von Bruck an der Großglocknerstraße 756 m über NN zur Trauneralm auf 1.530 m = Distanz 11,2 km, 659 hm im Anstieg, 4 hm im Abstieg, Gehzeit 3:20 Std.

Diese eher kurze Etappe diente doch zur Regeneration für die drei vorherigen anstrengenden Etappen. Mit dem Bus ging es zunächst von Bruck bis zur Haltestelle Embachkapelle auf 1.125 m kurz vor Ferleiten. Um 15:00 Uhr erreichten wir dann den Alpengasthof Trauneralm im wildromantischen Käfertal.

Der Gasthof wurde im Jahr 1890 erbaut und war letzte Zuflucht vor der Alpenüberquerung nach Kärnten. Mit einem eigenen Wasserkraftwerk wurde damals schon Strom erzeugt! Wir hatten alle den Eindruck, dass sich seit 1890 kaum etwas geändert hat. Wir erlebten Nostalgie pur, das ganze Ambiente könnte eins zu eins für historische Filme genutzt werden. Wir schliefen in uralten Betten, aber mit frischer Bettwäsche! Hüttenschlafsäcke brauchten wir hier nicht. Alle Getränke wurden in einem hölzernen Brunnen mit fließendem Wasser gekühlt, hier bedienten wir uns. Am Abend gab man an, was entnommen wurde, so wurde dann abgerechnet. Ehrlichkeit war hier Trumpf, aber offensichtlich funktionierte diese. Dann eine Überraschung, unser “Schnarcher” Dominique präsentierte uns seine Luftmatratze. Er schlief damit im Flur und unsere Schlafqualität verbesserte sich damit total! Die Luftmatratze erwies sich später immer wieder als sehr nützlich, dazu später mehr!

5. Etappe 15.08.24 von der Trauneralm auf 1.530 m zum Glocknerhaus auf 2.132 m = Distanz 8,9 km, 1.175 hm im Anstieg, 592 hm im Abstieg, Gehzeit 6:10 Std.

Vom urigen Berggasthof aus meisterten wir direkt knapp 1.200 hm im Anstieg, dabei ein 600 m langes Schneefeld, sicherlich teilweise steil, aber gut begehbar.

Der höchste Punkt war dann auf 2.710 m, das Glocknerhaus der ÖAV Sektion Klagenfurt erreichten wir nach 6:15 Std. Das Haus liegt unmittelbar an der zur Franz-Josephs-Höhe führenden Großglocknerhochalpenstraße. Die Priorität beim Glocknerhaus ist wohl in erster Linie das Tagesgeschäft, der Service für die Übernachtungsgäste war teilweise weniger gut.

Dominique hatte sich dann wieder mit seiner Luftmatratze einen Platz im Flur gesucht. Das wurde dann aber von einer netten jungen Bedienung reklamiert. Auch unser Hinweis, er würde uns damit als Schnarcher schonen, ließ sie nicht gelten. Die Erklärung: sie hätte ihr Zimmer unmittelbar neben Dominiques neuer Schlafstelle! Sie bot ihm dann aber ein freies Doppelzimmer an, Dort könnte er dann schlafen, somit war allen geholfen. Dies wiederholte sich dann auch bei den anderen Hütten. Dank Dominiques Luftmatratzen-Taktik bekam er immer wieder bevorzugte Schlafplätze und wir hatten unsere Ruhe.

6. Etappe 16.8.24 vom Glocknerhaus auf 2.132 m zur Glorerhütte auf 2.642 m = Distanz 10,6 km, 791 hm im Anstieg, 192 hm im Abstieg, Gehzeit 5:20 Std.

Bei tollem Wetter um 8:10 Uhr aufgebrochen, um 11:30 Uhr an der Salmhütte 2.644 m angekommen, hier eine Trinkpause bei kühlem Bier eingelegt, dann um 13:40 Uhr die Glorerhütte erreicht. 

Die Hütte und vor allem ihr Team erwies sich als besonders gut. Zur Begrüßung wurde uns schon auf der Terrasse ein Schnaps aufs Haus serviert. Der Service war genau wie die Halbpension perfekt. Das Ganze in der Höhe von 2.642 m und bei akutem Wassermangel. Für uns eine tolle Erfahrung und auch Entschädigung für die Erlebnisse auf den beiden vorherigen Hütten.

7. Etappe 17.8.24 von der Glorerhütte auf 2.642 m zur Lienzer Hütte auf 1.977 m, = Distanz 17,4 km, 840 hm im Anstieg, 1.510 hm im Abstieg, Gehzeit 9:15 Std.

Der Tag bescherte uns eine lange und weite Tour, dabei auch mit der Überquerung des Kesselkeessattels mit dem Gernot-Röhr-Biwak (einer Notunterkunft für 6-8 Personen) auf 2.926 m, den höchsten Punkt der Tour. An der Elberfelder Hütte vorbei folgte ein weiterer Anstieg zum nächsten Joch, dieser Anstieg wollte gefühlt nicht enden! Dabei überraschte uns in einem Kessel auf 2.600 m Höhe 1 1/2 Std Starkregen und Hagel und damit das erste Mal schlechtes Wetter. Wobei unser Bayer Dietmar bemerkte, das wäre nur Graupel! Christian toppte dies noch, er sprach von gefrorenen Regentropfen. Für uns Rheinländer war aber klar, es war Hagel! Nach 9:15 Std. erreichten wir dann auch wieder trocken, ein Hoch auf die Funktionskleidung, die Lienzer Hütte.

8. Etappe 18.8.24 von der Lienzerhütte auf 1.977 m zur Wangenitzseehütte auf 2.508 m = Distanz 8,2km, 843 hm im Anstieg, 298 hm im Abstieg, Gehzeit 5:45 Std.

Am Morgen verabschiedeten sich, wie schon vorher geplant, Ulrike, Andreas und Stephan von der Gruppe, somit waren wir noch zu sechst. Das geplante Highlight der Tour, die Besteigung des Petzeck, mit 3.282 der höchste Gipfel der Schobergruppe, war aufgrund von leichtem Nieselregen und Nebel leider nicht möglich. Christian bot daher eine „etwas längere Tour“ zur Wangenitzseehütte an, damit wir nicht schon zu früh an der Hütte wären. Das „etwas länger“ waren dann 2:45 Stunden mehr gegenüber dem ursprünglichen Plan und entpuppte sich als hochalpine Bergtour. 

Mit 2.800 m war die Kreuzscharte der höchste Punkt. Immer wieder mussten dabei auch Steige, teilweise gesichert, überquert werden. Damit war dies der schwierigste Teilabschnitt unserer Alpenüberquerung, aber alle meisterten diese mit Bravour. Auf der Hütte herrschte auch Wassermangel, dies trotz des großen Sees vor der Türe. Aber aufgrund der Lage im Kerngebiet des Nationalparks Hohe Tauern darf hieraus kein Wasser entnommen werden. Die Gastlichkeit und der Service durch das Hüttenteam waren auch hier sehr gut. Am Abend dann noch ein „Schmankerl“ bei der Weinbestellung. Wir erhielten statt einem ⅛ ein ¼ l Rotwein, wobei Dominique erklärte ⅛ ist doch mehr als ¼! Vielleicht in seiner Heimat Frankreich, oder hatte er schon zu viel ⅛ l getrunken?

9. Etappe 19.8.24 von der Wangennitzseehütte auf 2.508 m nach Lienz auf 673 m = Distanz 24,1 km, 174 hm im Aufstieg, 2.000 hm im Abstieg, Gehzeit 8:40 Std.

Wir alle waren uns einig, die Zeit verging im wahrsten Sinn wie im Fluge, unsere letzte Etappe! Bis auf anfängliche 174 m bergauf ging es dann nur noch bergab und das 2.000 Höhenmeter hinunter bis nach Lienz/Osttirol. Oder auch bis die Socken qualmten! Dabei überquerten wir auch viele Almen, hier zu unserer Verwunderung ein Hinweis - Achtung nervöses Vieh aufgrund von Wolfsgefahrt -! 

Gegen 16:30 Uhr erreichten wir unser letztes Quartier, das Hotel Sonne, kurz vor dem großen Regen. Also wieder das richtige Timing! Am Abend wurde mit einem sehr guten Essen und auch dem ein oder anderen Bier das gute Ende unserer Tour gefeiert!

Fazit:

In 9 Etappen von Berchtesgaden nach Lienz die Alpen überquert, 123,9 km, 7.354 hm im Anstieg und 7.313 hm im Abstieg in 58:15 Std bewältigt.

Dabei die herrliche Natur mit all ihren Facetten erlebt. Das Ganze in einer relativen Ruhe, die Hütten und Wege waren nicht überfüllt. Eine sehr lohnenswerte Tour, Voraussetzung waren neben Trittsicherheit vor allem aber die nötige Kondition und damit Ausdauer! Das ganze Team hat sehr gut harmoniert und wurde von Christian bestens geführt. 

Danke Christian für deine ganze Organisation und dein Engagement.